Montag, 22. November 2010

Liebeserklärung an...

...die deutsche Sprache. Ja, ich liebe die deutsche Sprache. Denn man kann fast alles mit ihr machen; man kann sie lesen, deuten, singen, sprechen, stottern, schnorcheln, rückwärts sprechen, aufsagen, auswendig lernen, denken, hauchen, ins Ohr brüllen, stöhnen, kreischen, verschweigen, zustimmen, widersprechen, streiten. Man kann wild mit ihr wiederholen, kreuzreimen, paarreimen oder sogar umarmend reimen, sie verbildlichen, steigern, mit ihr maßlos übertrieben oder auch untertreiben, sie überkreuzstellen, andeuten, beschönigen, lautmalern, umstellen, reizüberfluten und mit ihr verwirren. Man kann mit ihr gewinnen und triumphieren. Und trotzdem wird sie gnadenlos misshandelt. Sie wird geschlagen, droht langsam einzugehen und windet sich unter der Dummheit so vieler Menschen, die sie leider benutzen.

Einer meiner Dozenten sagte letzte Woche zu uns, dass wir einen gesicherten Job hätten als angehende Germanisten, denn spätestens in 20 Jahren sei die deutsche Sprache eine Wissenschaft, die nur Gelehrte anzuwenden wissen werden. So wird kaum ein anderer in der Lage sein, sich angemessen auszudrücken oder überhaupt rechtschreiblich unbedenklich zu kommunizieren. Und dann kommen wir. Ich habe meinem Dozenten sofort geglaubt, denn die deutsche Sprache verkommt. Nicht durch Werbeslogans wie "Da werden Sie geholfen" oder durch Anglizismen wie Handy oder googlen. Nein, ein Blick auf die Neuigkeiten in meinem Facebook reicht vollkommen aus. Das Internet ist da sowieso Schauplatz des Elends. Da schreibt eine/r mit aller Selbstverständlichkeit "daführ", "kanst", "überseuerter margen" oder einfach "weis". In Momenten wie solchen, in denen ich so etwas lese, weiß ich nicht so recht, ob ich schockiert dreinblicken oder einfach gleich die Stirn auf die Tastatur hämmern soll, denn ich kann so etwas nicht verstehen. Die einzige Entschuldigung für eine derart schlechte Rechtschreibung ist für mich eine nachgewiesene Lese-Rechtschreib-Schwäche oder ähnliches.

Natürlich muss man in Sachen korrekter Rechtschreibung und Ausdrucksweise gerade in Bezug auf das Internet/Kommunikationsplattformen und dem wahren Leben unterscheiden. Viele rechtfertigen falsche oder sogar ganz und gar fehlende Kommasetzung sowie ihre schlichtweg beschämende Rechtschreibung damit, dass es ja "hier kein Deutschunterricht ist", dass "es hier doch egal ist, wie man schreibt". Vielleicht ist es das. Vielleicht aber auch nicht. Wie ich mit Erschrecken vor einigen Tagen in der Uni feststellen musste, sind selbst Menschen, die es bis dorthin gebracht haben und peinlicherweise sogar Deutsch studieren, nicht in der Lage, richtig zu schreiben. Vielleicht war diese Person aber auch häufig im Internet tätig und hat es daraus übernommen, wer weiß. Mir schießen Rechtschreib- und Grammatikfehler sofort ins Auge, ob online, in der Uni, unterwegs oder in der Werbung - sie sind überall. Leider. Wir Germanisten führen einen harten Kampf.

"Es ist unglaublich, wieviel Geist in der Welt aufgeboten wird, um Dummheit zu beweisen.
"
(Christian Friedrich Hebbel)

Zu erwähnen ist hier natürlich auch die Jugendsprache von heute und ich meine nicht Ausdrucksformen wie cool, Hackenporsche oder Tussitoaster. Ich meine diejenige Ausdrucksweise der - ich wage es mal, es so zu bezeichnen - geistig verarmten Jugend ohne Perspektive(n). Ganz abgesehen vom teils unbegründet asozialen Verhalten und wüsten Beleidigungen, die ich hier gar nicht aufführen möchte, weil sie sich eh jeder denken kann, gibt es da diese Formulierungen wie "Isch schwör, alta", die dem Deutsche-Sprache-Junkie einen kalten Schauer bereiten. Doch dies ist eine andere, sehr komplexe Thematik, weshalb dieser Gedankenanstoß an dieser Stelle alleingelassen werden soll.

Nur warum? Warum lassen viele diese Sprache durch hässliche Formen und Formulierungen derart verkommen und vergewaltigen? Ist sie euch nicht schön genug? Dann sucht euch einen anderen Doofen! Die Sprache ist ein Geschenk und eine wertvolle Gabe, die einen überall hinbringen kann. Sind wir ihr nicht angesichts dessen ein wenig Anerkennung schuldig?

Ein Wort wird mit ß geschrieben, wenn es einem langen Vokal folgt, wie in Straße, groß oder Muße. Dem Doppel-s geht ein kurzer Vokal voraus, wie bei Fass, muss oder Riss. Das Das hinter dem Komma wird dann mit Doppel-s geschrieben, wenn etwas eine Folge aus etwas ist (Der Mann wusste, dass sie lebt) und nur dann mit einem S, wenn sich das Das auf ein Nomen im Hauptsatz bezieht (Sie streichelte das Rentier, das auf einmal im Zimmer stand). Wider wird immer dann nur mit i geschrieben, wenn es etwas Gegensätzliches/Widersprüchliches ausdrückt, wie zum Beispiel bei Widerstand, Widerwille, zuwider. Kommata sind ebenso kein sehr schwieriges Feld. Als Faustregel gilt: Ein Komma soll sinnvolle Pausen in den Gedankengang bzw. für das Sprechen bringen. Es ist manchmal besser, lieber ein Komma mehr zu setzen, als eins zu wenig. Genaue Kommaregeln können bei Google mit höchster Wahrscheinlichkeit nachgeschlagen werden. Das wäre an dieser Stelle doch ein wenig zu übertrieben und würde mich in ein etwas zu hochnäsiges, besserwisserisches Licht rücken und das wollen wir ja nicht. In diesem Sinne fasse ich ein äußerst kurzes und zudem geklautes Resümee:

Gebt euch nicht auf - lernt lesen und (vor allem) schreiben!

(Und: Schämt euch, aber nicht zu sehr. Ich helfe gern weiter.)

Donnerstag, 4. November 2010

Ode an...mich

Schluss mit allen Verallgemeinerungen und Schluss mit all dem zumeist sentimental-theatralischen Gemotze! Heute, hier und jetzt widme ich mich nur mir selbst. Ganz persönlich, ganz ich. Eine Ode an mich selbst... oder so ähnlich. Nein, eigentlich nicht. Eigentlich ist eine prunkvolle Vorrede überflüssig, es folgt nichts Ergreifendes. Jeder, der zu viel erwartet, sollte an dieser Stelle besser wegschauen, denn es geht knallhart und ohne weitere Umschweife nur um das Eine: mich. Warum? Weil ich es möchte. Spaß beiseite (oder auch nicht), manch einen interessiert es vielleicht (oder auch nicht). Es wird monoton, stumpf, zusammenhangslos und egoistisch... Und sagt am Ende nicht, ich hätte euch nicht gewarnt.

Ich wurde geboren in Hamburg, aber meine Mutter zog zu meinem Vater, als ich zwei Jahre war und so bin ich in Berlin aufgewachsen. Vor einem Monat bin ich aus Berlin ausgezogen, allein, nach Düsseldorf, allein. Es ist super. Ich studiere Germanistik mit dem Ergänzungsfach Linguistik. Bevor die Frage kommt: Linguistik ist die Sprachwissenschaft und ziemlich öde. Ich wohne im 5. Stock und das ohne Aufzug! Montag bekomme ich endlich eine Waschmaschine, die in den Waschkeller kommt, was bedeutet, dass ich zum Wäschewaschen 6(!) Stockwerke laufen muss. In der Schule war ich faul und habe mich nie mündlich beteiligt, weil ich der Ansicht war, das können auch andere für mich sagen, auch wenn ich es weiß. So kam mein Durchschnittsabitur von 2,7 zustande. Ich habe im Kindergarten mit meinem damaligen besten Freund mein erstes Buch geschrieben. Es ging um einen Banküberfall. Meine Rechtschreibung damals mit 9 war besser als die der meisten Menschen, die ich heute im Internet lese und das ist nicht übertrieben. Ich liebe den Herbst und ich liebe den Winter. Ich liebe die Weihnachtszeit, Weihnachtsmärkte, Weihnachtsduft, Weihnachtsdeko, Weihnachtsplätzchen, Schnee und alles, was dazu gehört. Am meisten mag ich den Weihnachtsmarkt in Braunschweig. In Braunschweig fühle ich mich zu Hause, obwohl ich dort nie gelebt habe. Ich schreibe Gedichte seit ich 14 bin und kann es inzwischen recht gut. Manchmal trage ich schwarzen Nagellack. Ich bin offen und tolerant. Aber sehr ungeduldig. Ich habe erst vor wenigen Monaten die Definition von wahrer Freundschaft erlernt. Ich versuche oft so sehr einem bestimmten Bild zu entsprechen, dass ich dabei mein Glück vergesse oder das eines anderen. Aber ich finde immer wieder auf den Weg zurück. Manchmal steht mir mein Stolz oder Ego im Weg. Das sind Schwächen, an denen ich arbeite. Ich finde Stillstand furchtbar. Genauso wie Menschen, die die Schuld ausschließlich auf andere schieben. Ich liebe Melancholie, Stille und Einsamkeit, aber nicht immer. Manchmal liebe ich es, hemmungslos zu feiern, unter Menschen zu sein. Ich liebe Pinguine. In meinem nächsten Leben werde ich einer. Ich liebe anspruchsvolle Filme und Ralph Fiennes. Ich glaube nicht an Gott, aber ich glaube. Mein Badezimmer ist höchstens drei Meter breit und ein Meter tief. Ich habe Angst vor dem Aussehen von Waschmaschinen. Ich möchte russisch lernen. Ich liebe (emotional) kluge Menschen. Ich bin schadenfroh und manchmal ein Arschloch. Manchmal bin ich viel zu schüchtern. Ich habe oft kalte Hände. Ich liebe edle Kleidung, die aus dem 19. Jahrhundert und die aus den 1920-40er Jahren in Deutschland. Ich hätte gerne zu solchen Zeiten gelebt, da es dort noch gesittet zuging. Ich halte viel von Manieren. Ich würde gerne einen Schrank voll Anzügen haben. Und eine Hausente. Und einen Mops namens Barbara Jaqueline (ja, wirklich). Nun geht es aber zu sehr ins Detail. Es reicht.

Donnerstag, 28. Oktober 2010

2 Wege ins Unglück

Eingelebt, doch niemals angepasst, melde ich mich wie versprochen zurück. Eine andere Stadt, eine andere Umgebung, andere Menschen, andere Gerüche, andere Sitten. Vieles hat sich verändert und ich würde lügen zu behaupten, es würde spurenlos an mir vorbeiziehen. Es wäre gelogen zu behaupten, ich habe mich nicht verändert. Das habe ich und das ist etwas Gutes. Die Luft hier ist gut, ich atme wesentlich freier und das Verweilen unter den vielen klugen Köpfen tut mir gut. Soviel dazu. So kommt es, dass ich dieses Mal nicht nur eine Thematik im Kopf habe, sondern gleich zwei und so werde ich ganz neuartig diese beiden Thematiken in einem abhandeln. Kurz: Ihr habt keine Lust auf zwei einzelne Einträge und ich erst recht nicht, so wird beides in einen gequetscht und alles ist wunderbar.

Kurze Rede, langer Sinn; ich spreche von Veränderung und damit indirekt schon ein Thema an. Jetzt werden einige Gemüter aufschreien "Nicht schon wieder!", doch keine Panik bitte. Schließlich steckt doch in allem irgendwie Veränderung. Wenn du etwas isst, verändert sich die Konsistenz des Essens, wenn du atmest die Luft vor deinem Gesicht und so weiter und so fort. Und doch geht es darum nicht. Denn viele Menschen scheuen sich vor jeglicher Veränderung. Sie schauen nur zurück, wälzen sich wohlig in Erinnerungen und bewegen sich damit niemals vorwärts. Sie blicken niemals nach vorn, jedenfalls nicht lange genug, um einen Schritt vorwärts zu schaffen. Es geht nur rückwärts. Es geht nach hinten los. Diese Menschen gehen einen Weg ins Unglück.

Dieser Pfad ist nicht nur steinig, dass sie hinfallen werden - früher oder später - und vielleicht nicht mehr hochkommen. Dieser Pfad ist vor allem dunkel und einsam, denn das Leben jetzt ist weit weg von ihnen. Erinnerung ist ein wichtiges Gut, eine wundervolle Gabe. Jeder sollte sich erinnern, jedoch nicht in dieser Erinnerung leben. Viele wünschen sich die Kinderzeit zurück, in der sie die Welt noch bunt gesehen haben, Probleme nicht kannten und alles bekamen, was sie wollten. Viele wünschen sich in eine Zeit zurück, in der alles um sie herum noch funktionierte: Beziehung, Familie, Beruf, Freunde, Wärme, Sicherheit, Halt, Gemeinschaft, Kraft. Man weiß um das positive Empfinden damals, man hat es genossen, war glücklich und glaubt, es wieder sein zu können, indem man in dem Gedanken weiterlebt. Doch man wird es nicht. Man verliert den Blick geradeaus ins Leben, ins Jetzt und ins Morgen, weil man meint, das Gestern war doch so schön. Man möchte die schöne Erinnerung nicht loslassen, klammert sich an längst vergangene Zeiten, die nichts sind als etwas in unserem Kopf. Man lebt noch. Doch nur im Kopf. Dort ist es vertraut, dort bleibt man allein mit seiner Erinnerung. In irgendeiner Ecke im Kopf entspringt das Glück, doch an dieser Ecke geht man blindlings vorbei. Das Leben in Erinnerungen liegt weit entfernt vom Glückszentrum. Entgegengesetzte Richtung - ein Weg ins Unglück.

Und dann gibt es Menschen, die nicht reden. Viele Probleme gibt es allein dadurch, dass man nicht redet. Dabei ist das so einfach. (Fast) Jeder Mensch ist mit dieser Gabe gesegnet und doch macht kaum einer in der richtigen Situation von ihr Gebrauch. So viele Beziehungen scheitern daran, dass man nicht miteinander spricht. Dinge, die einem nicht gefallen am anderen werden schweigend erfasst, vearbeitet und führen am Ende dazu, dass die Liebe nachlässt und man der Beziehung den Stempel "lieber getrennte Wege" verpasst. Anstatt einfach mal den Mund aufzukriegen, schmeißt man lieber alles weg. Aus die Maus. Beziehung zuende, aus und vorbei. Und ein paar Vorwürfe als Abschiedsgeschenk. Da klappt das mit dem Reden dann.
Oder ganz einfach: Wenn man in der Schule nie den Mund aufbekommt. Dann gilt das als mündlich unbeteiligt und gibt eine schlechtere Note, egal, wie klug man eigentlich ist. Oder noch einfacher: Wenn man den Mund nicht aufbekommt, wenn sich der unfreundliche Typ im Supermarkt vordrängelt. Dann wartet man länger, ärgert sich im schlimmsten Fall innerlich bitterlich und gilt als nicht selbstbewusst, was wiederum im schlimmsten Fall dazu führen kann, dass sich noch ein zweiter Dödel vordrängelt, weil er beobachtet hat, dass man das mit dir machen kann. Wenn Menschen immer schweigsam bleiben, gibt es keine Veränderung - für niemanden. Wenn Menschen immer schweigsam bleiben, bewegt sich nichts und man bleibt unsichtbar. Niemand wird dich wahrnehmen als Schweigsamen. Hätten die Menschen immer den Mund gehalten, würde die Welt heute ganz anders aussehen. Die Mauer würde noch stehen, denn ohne den Aufstand der Menschen wäre sie nie gefallen.

"Reden wollen, aber nicht reden, das hat schon viele gereut." (Kâlidâsa, 4./5. Jh. n. Chr., indischer Dichter)

Es gibt keinen Grund, still zu sein. Erhebt die Stimme, denn sie ist Macht. Sie ist ein Geschenk. Sie ist kein Mittel zur sinnlosen Kommunikation. Gekonnt eingesetzt kann sie einen an die Spitze der Welt bringen. Oder einfach zum Glück. Schweigen und Runterschlucken in den falschen Situationen nimmt einen an die Hand auf einen Weg ins Unglück. Wo man sich irgendwann übergeben muss und all das Leid und den Schmerz auszukotzen leid wird. Weil man vielleicht eines Tages merkt, dass man sich damit selbst auf den falschen Pfad geführt hat. Weil man einfach nicht die Fresse aufbekommen hat. Man kann mit Reden viel verlieren, doch bei Weitem nicht so viel wie auf dem Weg, der irgendwann zur Erkenntnis führt, dass man selber schuld ist oder war. Dann ist es zu spät. Dann klammert man sich vielleicht an die guten, alten Zeiten, an die Erinnerung und geht den zweiten Weg ins Unglück weiter und weiter und verliert vielleicht für alle Zeit den Blick ins Leben. In der Erinnerung ist man tot, denn sie ist vergangen.

Samstag, 25. September 2010

Erwartet nicht zu viel

Nichts schmerzt so sehr als fehlgeschlagene Erwartungen, aber gewiß wird auch durch nichts ein zum Nachdenken fähiger Geist so lebhaft als durch sie erweckt, die Natur der Dinge und seine eigene Handlungsweise zu erforschen, um die Quelle seiner irrigen Voraussetzungen zu entdecken und womöglich künftig richtiger zu ahnen.
- Benjamin Franklin

Ja, erwischt, ich beginne einmal wieder mit einem Zitat und es wird einmal wieder ein wenig mehr. Ich hoffe, der fleißige Leser hatte nichts anderes erwartet - welch überhaupt nicht absichtlich konstruierter Übergang und Allusion auf die Thematik, der ich mich mit meinem heutigen und vorerst letzten (siehe Post vom 22. September) Blogeintrag widmen möchte: Erwartungen.

Erwarten wir nicht alle irgendwas? Dass die Klausur vielleicht doch besser als eine drei geworden ist, weil man doch noch bis sooo spät in die Nacht dafür gelernt hat? Dass es morgen warm wird, weil es im Wetterbericht angekündigt wurde? Dass man auch morgen aufwacht? Oder vielleicht einfach nur, dass man atmet? Manche Erwartungen sind selbstverständlich. Wie solche, dass man eben atmet, dass man laufen kann, dass die Erde auch am nächsten Tag noch existiert. Manche Erwartungen werden erfüllt, manche nicht. Manche Erwartungen beflügeln, manche reißen zu Boden. In jedem Fall hat sie jeder Mensch. Irgendwo - bewusst oder unbewusst.

Es gibt Erwartungen in allen Lebensbereichen. Ich weiß nicht, wie es bei euch aussieht, ich für meinen Teil habe bereits eingesehen, dass meine Erwartungen grundsätzlich überdurchschnittlich (zu) hoch für die Menschheit sind. Das macht schnell einsam, also gibt man widerwillig nach und geht Kompromisse ein. So wie es sich umgangssprachlich dumm leichter lebt, glaube ich auch, dass es sich mit niedrigen Erwartungen und Ansprüchen an die Welt leichter leben lässt. Wenn man beispielsweise vollends zufrieden ist, wenn ein Freund sich nur dann meldet, wenn alle anderen gerade keine Zeit haben. Oder wenn man sich bis über beide Ohren verliebt, obwohl der andere nur zugegeben wenig ernsthaftes Interesse zeigt. Oder wenn man das kleinste Stück vom Geburtstagskuchen bekommt. Das reicht demjenigen. Es scheint, als mache das wirklich schneller glücklich. Doch sinkt damit nicht auch der Selbstwert? Niedrigere Ansprüche, niedrigere Gefühlsebene, niedrigere Intelligenz, niedrigerer Wert? Ich vermag dies nicht zu beurteilen. Ich habe ja stets zu hohe Erwartungen und das nicht nur an mein Umfeld, sondern auch (oder vor allem?) an mich selbst.

Erwartungen halten die Hoffnung und balancieren dennoch oft gefährlich am Abgrund zur bitteren Enttäuschung. Erwartungen können unterschiedlicher Größe sein und enden selten in Erfüllung. Meist ist wohl die Erwartung selbst das Schönste. Jeder Mensch muss feststellen, wie schnell sie einen fallenlässt. Denn wie rasch ist man betrübt, weil man in einem seiner Freunde etwas Tieferes sah, als nur bloße Freundschaft. Da war eine Verbundenheit, wie man sie nur selten findet, von der man so froh ist, sie zu spüren. Wo die Freude bereits verblasst ist, als man sie erst richtig bemerkt. Weil man für diesen Freund scheinbar doch nur zweite Wahl ist. Man hat so viel erwartet von dieser Freundschaft...und wurde ge- und enttäuscht. Die Erwartung war einmal wieder zu hoch.

Denn wie rasch ist man betrübt, wenn die Zukunft scheinbar nicht verlaufen will, wie man es selber möchte. Wenn man alles geplant hat, erst hier die Schule, dann dort das Studium, dann dort als dies und jenes arbeiten, dorthin auswandern, viel Geld, Haus, Kinder, Garten, Pool und ein Hund. Vielleicht auch eine Katze. Oder zwei. Oder beides. Oder alles zusammen. Doch das Schicksal meint es nicht gut mit einem, denkt man, denn der Plan wird hemmungslos zerstört: andere Stadt, anderer Weg, alles anders, als erwartet. Man versteht es nicht und will es auch nicht verstehen. Und natürlich ist man nicht stur. Die Erwartung war einmal wieder zu hoch.

Denn wie rasch ist man betrübt, wenn alles einfach anders kommt. Wenn man erwartet, glücklich zu sein. Wenn man erwartet, dass die Erwartungen sich erfüllen - irgendwie, egal wie unwahrscheinlich sie einem im Verstand erscheinen. Ich möchte nicht sagen: Erwarte und werde enttäuscht. Aber erwarte mit Vorsicht und habe stets ein Sitzkissen dabei, das dich weich landen lässt, solltest du stürzen. Die Wahrheit und Wirklichkeit kann einem heftig in die Fresse schlagen. Und irgendwann heilen die Wunden nicht mehr. Und bilde dir nicht ein, keine Erwartungen zu haben - du hast sie.

Mit diesen Worten verabschiede ich mich (vorerst) von all den treuen Lesern, die sich mein teilweise doch recht anstrengendes Gelaber (Getexte klang doof) mehr oder weniger regelmäßig angetan haben. Vielen Dank an jeden einzelnen von euch und vielen, vielen Dank auch für die wirklich rührenden Komplimente bezüglich dieses Blogs. Würde ich jetzt nicht hinter meinem Monitor hocken und ihr auch nicht und würden wir uns nun gegenüber stehen, würde ich euch nun allesamt umarmen. Aber im Zeitalter des Internets, von knuddels, duddels und schmuddels.de klappt sowas ja auch virtuell per Gedanken ganz hervorragend; fühlt euch also gedrückt. Danke. Auch für die konstruktive Kritik.

Das ist nicht das Ende! Ich werde versuchen, sobald wie möglich weiter zu schreiben. Daher - wie schon im Vor-Blog geschrieben - stay tuned! Ich bin nicht weg, nur woanders, haha. Ein krönender Abschluss darf natürlich nicht fehlen und, wie sollte es anders sein, soll dieser ein Zitat sein:

In die Wolken zu greifen und keine Leere zu fühlen, das ist Glück.
- Carmen Ritter

Mittwoch, 22. September 2010

(An)Kündigung

Der Poet auf Drogen meldet sich zurück, doch vorerst nur für eine kurze Mitteilung für all diejenigen, die sich begierig die Hände nach neuem (Lese-)Stoff reiben: Da ich in einer Woche wegziehe und kurz darauf mein Germanistik-Studium beginne, wird in den kommenden Tagen mein vorerst letzter Eintrag hier folgen. Bitte nicht traurig sein, es gibt vieles, vieles Schlimmeres auf diesem Planeten. Natürlich werde ich auch während meines Studiums versuchen, relativ regelmäßig meinen lyrischen Ergüssen freien Lauf zu lassen, also stay tuned, wie man ganz neumodisch so zu sagen pflegt!

Um diese Notiz ideal abzurunden ein äußerst passendes Schlusswort, wie ich finde:
Wer wartet mit Besonnenheit, der wird belohnt zu rechten Zeit!

(Na, von wem ist das? Mit diesem kleinen Rätsel lasse ich den eifrigen Leser nun allein in seine tiefste Trauer versinken - wie unverschämt!)

Samstag, 4. September 2010

Herzenswunsch

Sie packt uns und klebt und schickt uns auf eine Achterbahnfahrt, die sich gewaschen hat. Sie ist so grausam und sie ist so wundervoll. Sie ist Gift und sie ist Droge. Sie ist zumeist viel zu lang. Oder viel zu kurz. Sie ist Hoch und sie ist Tief. Sie ist Liebe, die man hasst. Sie ist wichtig, denn ohne sie ist es nicht Liebe. Die Sehnsucht packt nur Liebende.

Nie zuvor hat mir die Sehnsucht fast das Herz zerfetzt. Nie zuvor hätte ich gedacht, derart fühlen zu können. Du bist die Definition der Sehnsucht. Die Sucht nach dir. Ich wollte nie ein Abhängiger werden, doch du bist die Droge, die man bedenkenlos nimmt. Die Sehnsucht als unser Segel.

Neulich sah ich dich schlafen, nur eins, zwei Schritte entfernt von mir und ich habe dich vermisst. Ich blickte dich an und habe mich gefragt, ob das nicht lächerlich klingt: jemanden zu vermissen, obwohl er doch in unmittelbarer Nähe ist. Mein Herz lächelte, als du noch einmal wach wurdest. Ich habe es dir nie gesagt. Ich habe dir nie gesagt, dass ich stolz bin, dass du gerade mich liebst. Ich habe dir nie gesagt, dass ich in manchen Augenblicken die Zeit anhalten möchte. Ich habe dir nie gesagt, dass du meiner Seele neues Leben eingehaucht und mit Glück erfüllt hast. Ich habe dir nie gesagt, dass mich ein Entzug umbringen würde. Auch wir taumeln einmal, schwanken. Kein Trip ohne Nebenwirkungen. Doch die gehören dazu und werden als Schatten in den Schatten gestellt.

„Liebe ist eine Sehnsucht – die einzige Sucht, bei der das Leid des Entzugs vor dem Rausch der Sinne steht."

Ich möchte dir auf diesem Wege danken. Danke für die Flügel, danke für die Geduld, danke für das Kribbeln im Bauch. Danke für das kleine Stück vom Glück.

Ich liebe dich.

Sonntag, 29. August 2010

Sprachproblem

Ein wenig Wortsalat meiner Dichterhirnhälfte; ist bereits älter, jedoch fast stets aktuell.
Dies geht raus an alle Herzschmerzenden. Fresst Eis, rotzt Taschentücher voll, seid zickig, aber behaltet das Vertrauen darin, dass eines Tages alles besser wird - es wird... tatsächlich.


Sprachproblem
Ich habe die Sprache der Herzen verlernt,
in der Liebende zu sprechen pflegen.

Es klingt wie Kauderwelsch in meinem Ohren
und kommt nicht an im Loch meiner Brust.

Verbindung unterbrochen -
Bitte versuchen Sie es
nicht noch einmal.