Montag, 18. Januar 2010

Vom Verhalten und verhalten mit Verhalten (1)

Jeder verhält sich. Irgendwie. Doch wie genau? Das soll nun die zu untersuchende Grundfrage sein.

Ver|hal|ten, das: alle beobachtbaren Lautäußerungen, Bewegungen, Körperhaltungen, Duftabsonderungen oder Farbwechsel, die z.B. der Nahrungssuche und -aufnahme, der Kommunikation, der Verteidigung und/oder der Fortpflanzung und Jungenaufzucht dienlich sind.

Ein weites Feld, wie einer meiner ehemaligen Lehrer dies nun kommentieren würde. Recht hat er, denn ich möchte mich an dieser Stelle lediglich dem Bereich der Kommunikation oder zwischenmenschlichen Interaktion (Fremdwörter, olé!), Handlungen und Reaktionen, widmen. Kurz: Eigentlich möchte ich nur meiner Wut und tiefen Enttäuschung, die sich grad wie ein düst'res Wölkchen über mein Haupt gelegt hat, Luft machen. Enttäuschung...hängt das nicht irgendwie mit so Vielem zusammen? Kaum scheint am Geburtstag nicht die Sonne, ist man enttäuscht. Weil man ja irgendwie schon erwartet hat, dass es schön wird. Erwartung. Erwartung und Enttäuschung. Liegt ziemlich nah beieinander, aber das muss ich keinem erklären, denke ich.

Und so ist auch Vertrauen Erwartung oder etwa nicht? Vertrauen ist ohnehin ein dünnes Eis. Wenn Vertrauen dann Erwartung schafft und Erwartung so nah bei Enttäuschung liegt, dann sieht man, dass Erwartung nichts Gutes sein kann. Auf beiden Seiten ist nur eine dünne Schnur gespannt... Ist das nun schon zu hochtrabend und poetisch?

Ich vertraue wenig und nur sehr langsam. Angesichts der Erkenntnis im vorangegangenen Abschnitt doch eine gute Sache oder nicht? Ich kenne sehr viele Menschen, flüchtig, denn wirklich Vertrauen tu ich zwei Menschen. Da waren noch mehr, doch bei denen ist meinem armen Vertrauen leider das Eis unter den Füßen weggebrochen. Man sollte nicht jedem sein Leben auf die Nase binden, Details erzählen und vor allem kein Seelenstrip machen. Es kann ganz schnell in die Hose gehen. Menschen sind link, intrigant und falsch. Das liegt in der Natur des Menschen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel.

Doch wie mit der frischen Enttäuschung umgehen? In eine Ecke setzen und heulen? Ins Kissen beißen? Motzen? Einen Blog schreiben? Das ist ganz abhängig vom Grad der Enttäuschung. Für mich ist ein Vertrauensbruch zum Beispiel eine der größten Enttäuschungen, die ich nur schwer verzeihen und mit denen ich auch nur schwer umgehen kann. Ich kann mich gar nicht entscheiden, ob ich nun wütend, traurig, frustriert, verwirrt oder alles gleichzeitig bin. Vielleicht auch ein Stück weit auf mich selbst bezogen. Zugegeben habe ich Schlaumeier da keinen Tipp, seid nicht enttäuscht. Oder vielleicht doch.

Wenn sich dann dieses Unbehagen, diese Wut, diese Trauer, dieser Kloß im Hals lösen will und man sich für 's Motzen entscheidet, dann trifft man vielleicht auch noch auf einen gerade trauernden Menschen, der einen doch eben selbst in eine ähnliche Gemütslage katapultiert hat. Und dann ist da deine gute Erziehung, dein Unvermögen, derart rücksichtslos zu sein und diesem Menschen an den Kopf zu werfen, wie sehr enttäuscht er dich gerade hat. Verdammte Manieren! Rücksicht ist eh ein seltener Segen geworden und gerade du hast ihn abbekommen. Ganz großes Kino. Du kennst so viele, die sich einen Dreck darum kümmern und rücksichtslos durchs Leben stampfen, natürlich auch dir gegenüber. Aber nein, wir sind ja rücksichtsvoll, schlucken den Kloß im Hals herunter und beißen lieber ins Kissen. Oder schreiben gerade diesen Blog.

Verhalten ist also keine leichte Angelegenheit. Jede Reaktion bewirkt eine Gegenreaktion. Wenn du dem Falschen entgegengrinst auf der Straße, dann bekommst du unter Umständen die Faust in die Fresse, weil der Typ dort heute vielleicht gerade stark enttäuscht wurde. Menschliche Interaktion nennt das. Doch genug für heute.

Ps. Mein Kloß ist noch immer da, ich habe schon mein Kissen in der Hand.

Kommentare:

  1. "Es kann ganz schnell in die Hose gehen. Menschen sind link, intrigant und falsch. Das liegt in der Natur des Menschen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel."

    Wunderbar, wie recht du hast.

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  2. der text hat mich zum nachdenken gebracht;)

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